
AG DOK - Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V.
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4er-Runde zu den Aktualisierungen der Antragsanforderungen für DFFF und GMPF: Existenzielle Konsequenzen für den Filmstandort
Pressemitteilung
vom 12.08.2026
Berlin, 12. August 2026 - Die Bundesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag und zu Beginn der Legislaturperiode angekündigt, sie werde den Filmstandort Deutschland durch eine Reform der wirtschaftlichen Filmförderung stärken. Zwar wurde richtigerweise ein Investitionsverpflichtungsgesetz auf den Weg gebracht, die Verabschiedung im Bundestag steht aber noch aus. Und während die - anstelle des branchenweit geforderten und langfristig wirkenden Steueranreizmodells - auf 250 Mio. Euro jährlich aufgestockten Bundesmittel für Filmförderung für 2026 bereits jetzt nahezu ausgeschöpft sind, werden sie wegen Sparmaßnahmen 2027 sogar wieder zurückgefahren. Das schadet dem Kern der Filmförderung und dem Vertrauen in den Filmstandort Deutschland nachhaltig.
Die aktuell durch die FFA angekündigten Nachjustierungen bei der Antragstellung 2026 säen Zweifel an der dringend notwendigen Planbarkeit für wirtschaftliche Investitionen in den Filmstandort Deutschland. Und sie lassen die Befürchtung aufkommen, dass weitere Einschränkungen für das folgende Budgetjahr 2027 drohen. Hier braucht es dringend mehr Transparenz.
Denn treffen die Zweifel und Befürchtungen zu, gefährdet die Bundesregierung nicht nur die Entwicklung des Filmstandort Deutschland, es werden auch wichtige und dringend notwendige wirtschaftliche Hebeleffekte in der Bundesrepublik insgesamt ausgebremst.
Dazu erklären:
Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz:
„Es stehen Existenzen auf dem Spiel. Filmproduktionen sind langfristig auf ein bestimmtes Zeitfenster geplant - sie lassen sich nicht einfach verschieben. Schauspielende, Regisseurinnen und Regisseure, die Auslastung der Studios - ganze Firmen und letztlich der Filmstandort Deutschland hängen davon ab, dass es verlässliche Rahmenbedingungen am Filmstandort Deutschland gibt. Verlässlichkeit und Planbarkeit sind die wichtigste Währung der deutschen Filmwirtschaft. Die Politik bewirkt jedoch gerade das Gegenteil: Sie sendet fatale Signale ins In- und Ausland. Das kommt Deutschland teuer zu stehen. Jetzt muss die Politik klare Prioritäten setzen - die Forderungen der Branche liegen auf dem Tisch.“
David Bernet, Ko-Vorsitzender der AG DOK:
„Die Nachricht, dass wegen der großen Nachfrage nach DFFF- und GMPF-Mitteln die Fördervergabe ab sofort reduziert und womöglich für 2026 ganz eingestellt werden muss, ist eine Bankrotterklärung der Filmpolitik des BKM. Es fehlt offensichtlich das Verständnis dafür, dass nur alle vier Säulen der begonnenen Reform zusammen den Filmstandort Deutschland nachhaltig stärken können. Die Filmwirtschaft ist besorgt: Der gefeierte Aufschwung wird sich als Strohfeuer erweisen, weil Investitionsverpflichtung und Steueranreizmodell noch nicht umgesetzt wurden. Viele Projekte, die für 2026 geplant waren, müssen nach 2027 verschoben werden oder können gar nicht mehr stattfinden. Vor allem viele Kinodokumentarfilme und Dokumentarfilmserien werden durch diesen politisch-handwerklichen Fehler des BKM akut gefährdet. Wir rufen die Kulturpolitiker und alle Parlamentarier auf, hier gegenzusteuern. Die Vorschläge der Branche für sinnvolle Richtlinienänderungen von DFFF und GMPF liegen auf dem Tisch und müssen sofort umgesetzt werden.“
Martin Heisler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Filmakademie:
„Die Nachricht, dass die Fördertöpfe von DFFF und GMPF schon bald ausgeschöpft sein werden, trifft die deutsche Filmwirtschaft hart. Die Hoffnung, dass aus dem zarten Aufschwung endlich ein verstetigtes Wachstum werden könnte, wird damit direkt wieder infrage gestellt. Wenn die Mittel zudem mit einem deutlichen Übergewicht großer Serienprojekte ausgeschöpft werden, ist weit mehr in Gefahr als die wirtschaftliche Basis deutscher Produktionsunternehmen: Es geht um die Vielfalt unseres kulturellen und filmischen Schaffens – und damit auch um die Existenz zahlreicher Kinoproduktionsfirmen im Land. Herr Staatsminister Weimer, Sie sind jetzt zum Handeln aufgefordert!“
Christoph Friedel, Mitglied des Vorstands von PROG Producers of Germany:
"Eine katastrophale Verschlechterung der Marktbedingungen für deutsche Produzierende, die vermeidbar gewesen wäre, wenn die klaren Forderungen aus der Branche beim BKM Gehör gefunden hätten. Anstatt nachhaltige Firmen- und Beschäftigungsstrukturen sowie die europäische Zusammenarbeit zu stärken, werden einzelne US-amerikanische Prestige-Projekte massiv mit deutschen Steuermitteln alimentiert. Eine langfristige Perspektive für den Filmstandort Deutschland muss 2026 anders aussehen.“
Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.
Pressekontakte:
Produktionsallianz
Die Produktionsallianz ist die unabhängige Interessenvertretung der deutschen Produzentinnen und Produzenten von Film-, Fernseh- und anderen audiovisuellen Medien. Sie repräsentiert mit rund 370 Mitgliedern aus den Bereichen Animation, Dokumentation, Entertainment, Fernsehen, Kino und Werbung die wichtigsten Produktionsunternehmen und ist damit die maßgebliche Produzentenvertretung in Deutschland. Im nationalen und internationalen Rahmen tritt die Produktionsallianz gegenüber Politik, Verwertern, Tarifpartnern und allen Körperschaften der Medien- und Kulturwirtschaft für die Belange der Produktionsunternehmen ein.
Kontakt: Juliane Werlitz | juliane.werlitz@produktionsallianz.de | www.produktionsallianz.de
Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK)
Die AG DOK ist die film- und medienpolitische Interessenvertretung für das dokumentarische Genre in Deutschland und vertritt aktuell 1.000 Dokumentarfilmschaffende, die sich im AG DOK-Netzwerk und den beiden Sektionen Produktion und Buch & Regie organisieren, um die dokumentarische Filmkultur nachhaltig zu stärken. Unsere Mitglieder eint die Überzeugung, dass dem dokumentarischen Genre in all seinen Formen von der journalistischen Kurzreportage bis zum künstlerischen Kino-Dokumentarfilm eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Meinungsvielfalt und der Verteidigung demokratischer Prozesse zufällt.
Kontakt: David Bernet | bernet@agdok.de | www.agdok.de
Deutsche Filmakademie
Die Deutsche Filmakademie mit Sitz in Berlin wurde am 8. September 2003 gegründet und vereint inzwischen über 2300 Mitglieder aus allen künstlerischen Sparten des deutschen Films. Wir sind mit der Durchführung des Deutschen Filmpreises betraut, sind Veranstalter des Nachwuchspreises FIRST STEPS, fördern im Rahmen unserer Bildungsprogramme die Auseinandersetzung mit Film als Kunstform im schulischen und außerschulischen Kontext, sind Initiatoren der Veranstaltungsreihe Mein Film, den Werkstattgesprächen, des Podcasts Close Up und vielen weiteren Aktivitäten, die den Austausch und die Diskussion um das Filmschaffen in Deutschland und Europa unter künstlerischen, wie ökonomischen Gesichtspunkten fördern. Die Deutsche Filmakademie – das zentrale Forum für Filmschaffende in Deutschland – ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Nachwuchsförderung und gesellschafts- und filmpolitisches Engagement spielen bei unseren Satzungszielen eine große Rolle.
Kontakt: Anne Leppin | leppin@deutsche-filmakademie.de | www.deutsche-filmakademie.de
PROG Producers of Germany
PROG Producers of Germany e.V. ist ein kreatives, wirtschaftliches und innovatives Netzwerk. Mit über 150 Mitgliedern und einer starken Nachwuchssektion ist PROG die maßgebliche Vertretung der unabhängigen Kino-, Streaming- und Fernsehproduzent*innen in Deutschland. Der Verband bündelt und artikuliert die film- und marktpolitischen Interessen seiner Mitglieder, ist Sprachrohr und Vermittler gegenüber Förderern, Sendern, den nationalen und internationalen Branchenverbänden sowie der europäischen, nationalen, regionalen Politik. PROG informiert regelmäßig über technische Neuerungen.
Kontakt: Tanja Georgieva-Waldhauer | tgw@prog.film | www.prog.film