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Film

Guangzhou International Documentary Festival

Von Björn Jensen

vom 30.01.2018

Von Björn Jensen.

Seit über 10 Jahren oganisiert German Documentaries Delegationen deutscher Dokumentarfilmemacher auf die GZDOC, dem wichtigsten chinesischen Festival für den dokumentarischen Film, welches jedes Jahr in Guangzhou, dem ehemaligen Kanton stattfindet.

China ist ein Land im Umbruch. Man findet spannende Geschichten an fast jeder Strassenecke und deutsche Dokumentarfilmer geniessen in China einen guten Ruf. Allerdings ist es in den letzten Jahren politisch schwieriger geworden, Filme mit chinesischen Partnern zu machen. Immer wieder werden Planungen durch plötzliche politische Ereignisse erschwert oder unmöglich gemacht. Als Beispiel dienen hier die beiden grossen Dokumentarfilmevents Asian Side of the Doc und WCSFP, die beide in den letztten Jahren kurzfristig ihre geplanten Events in China absagen mussten und ins benachbarte asiatische Ausland umgezogen sind.
Sofern die Projekte inhaltlich passen, kann man in China Partner finden, die mit signifikanten finanziellen Beiträgen einsteigen. Immer wieder gibt es auch kritische Filme aus China und einige laufen mit grossem Erfolg auf internationalen Festivals, aber meist sind es doch die Natur- und Landschaftsbeobachtungen oder wissenschaftliche Filme, die die grösste Aussicht auf finanzielle Untertützung aus dem Reich der Mitte haben. In einem Punkt sind sich die bisherigen Teilnehmer einig: es braucht Zeit, Kontakte aufzubauen. Man muss immer wieder dort sein, und sich langsam ein Netzwerk aufbauen. Beständigkeit schafft Vertrauen und ist gerade in China eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg. So konnten einige deutsche Dokumentarfilme inzwischen mit China entstehen, die auf dem Festival ihren Ursprung hatten. Eine wachsende Zahl chinesischer Dokumentarfilmschaffenden sucht Kontakt zu Ausländern für mögliche Kooperationen. Als einzige internationale Delegation ist German Documentaries kontinuierlich seit vielen Jahren auf dem Festival vertreten.

Das Festival zeigt eine breite Palette nationaler und internationaler Produktionen. Zwei deutsche Co-Produktionen („Muhi – Generelly Temporary“ von Rina Castelnuovo und Tamir Eltermann und „Machines“ von Jain Rahul) schafften es in die Finalistenrunde. Allerdings gewinnt man inzwischen den Eindruck, dass auf dem Festival hauptsächlich chinesische Produktionen ausgezeichnet werden. In diesem Jahr wurde von 10 Pitch Gewinnern nur ein internationales Projekt ausgezeichnet. Von den acht Gewinnern des Festivals waren nur zwei zwei internationale Produktionen. Auch die deutsche Delegation war in diesem Jahr deutich kleiner, als in den letzten Jahren. Das lag zum einen daran, dass das Festival nur wenige deutsche mit ihrem Film oder Projekt eingeladen hatte, zum anderen auch an den gekürzten Reisekostenzuschüssen. Leider hat zugleich auch das Festival die jahrelange Vereinbarung mit German Documentaries aufgekündigt, für die Teilnehmer der deutschen Delegation die Hotelkosten zu übernehmen. Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Konsulat vor Ort ist allerdings hervorragend. Wie auch in den letzten Jahren, lud der deutschen Konsul in Kanton unsere Delegation zu einem Mittagessen ein.

Das Zentrum des Festivals ist das Industry Forum, bei dem mehrtägige Pitching Events, organisierte Einzeltreffen, Networking Events, Podiumsdiskussionen und ein Marktplatz für fertige Filme vereint sind. Besonderer Wert legt das Festival dabei auf die Vernetzung der Filmschaffenden untereinander. Da gab es zum einen eine Pitching-Veranstaltung (DocuMart), in denen ausgewählte Projekte Redakteuren namhafter Sender aus Asien, Europa und Nordamerika vorgestellt werden. An zwei weiteren Tagen wurden Seminare zu dokumentarischen Themen und der chinesischen Produktionslandschaft angeboten. Schliesslich trafen sich Produzenten und Filmemacher in Einzelgesprächen mit Redakteuren, um ihnen ihre Projekte vorzuschlagen. Ein grosses Hinderniss der internationalen Koproduktion mit China sind momentan noch die mangelnden englischen Sprachkenntnisse unter den chinesischen Produzenten. Während des Festivals stehen zwar viele Übersetzer zur Verfügung, aber im Produktionsalltag stellt die Sprachbarrierer sicherleich ein Hindernis dar. Die chinesischen Produktionsfirmen, bei denen dies kein Problem ist, waren dementsprechend gut mit Terminen ausgelastet. Auch gibt es einige Europäer, die in China Hilfe und Kontakte anbieten. Wer sich dafür interessiert, kann mich gerne fragen und ich gebe die Kontakte weiter.

Fast alle für das Festival ausgewählten Filme waren online an Sichtungsplätzen abrufbar und so konnte man sich ein gutes Bild vom aktuellen Stand der chinesischen Dokumentarfilmszene machen.

Der Besuch von GZDOC ist in erster Linie interessant für Filmemacher und Produzenten, die Partner für neue Projekte suchen. In Guangzhou lässt sich viel leichter, als auf den anderen grossen Festivals und Märkten, ein persönliches Gespräch mit einem Redakteur, einer Vertriebsfirma oder einem Branchenkollegen finden. Alle Gäste wohnen in dem selben Hotel und so ergeben sich im Laufe des Festivals mehrere Gelegenheiten für ein Gespräch.

In 2018 plant German Documentaries erneut eine Delegation zum GZDOC Festival. Die Einreichung der Filme wird voraussichtlich im Sommer stattfinden, dann werden auch die ersten Aufrufe über die Website der AGDOK und die Postlisten der Produzentenallianz und der AGDOK stattfinden.

 

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