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Stellungnahme der AG DOK zur Novellierung der Richtlinie Kulturelle Filmförderung der BKM

from 25.05.2021

 

Vielen Dank für die Gelegenheit, zur Novellierung der Richtlinie Kulturelle Filmförderung des BKM Stellung zu nehmen. Wir bedauern allerdings, dass den Verbänden nur knapp drei Wochen Zeit eingeräumt wurde, um auf diese doch sehr wichtige Novelle zu reagieren.

Gerne hätten wir uns mit allen vorgesehenen Änderungen beschäftigt, konzentrieren uns aber angesichts der Kurzfristigkeit auf den für uns als Verband der Dokumentarfilmschaffenden wichtigsten Aspekt:

Wir wurden darüber informiert, dass mit der Einführung der Projektentwicklungsförderung für Spiel- und Dokumentarfilm zugleich die Einstellung der Stoffentwicklungsförderung für Dokumentarfilm vorgesehen ist. Wir halten diesen Schritt für unsere Branche für fatal. Und möchten Sie dringend bitten, nicht daran festzuhalten.

Die Stoffentwicklung für Dokumentarfilme ist ein sehr wichtiges Werkzeug insbesondere für die kulturell ausgerichtete Filmförderung. Sie unterstützt die im Dokumentarfilm entscheidende Phase der Recherche und Konzeption. Sie ist das Pendant zur Drehbuchförderung für Autor*innen im Spielfilm, und genauso unerlässlich.

Mit der Abschaffung der Stoffentwicklung für Dokumentarfilm würde die BKM zudem gegen den Trend arbeiten: Die seit Jahren geführte Diskussion über Maßnahmen zur Qualitätssteigerung bei der Herstellung von Dokumentarfilmen hat europaweit dazu geführt, dass viele Förderinstitutionen sowohl den Förderumfang, wie auch die Förderinstrumente für Stoffentwicklung ausgebaut haben. Zum Teil sogar in bis zu mehrstufigen Verfahren (z.B. Seed-, Treament-, Projektentwicklungs-förderung).

Im Dokumentarfilm wird ein Stoff in mehreren Phasen entwickelt:

• Die Autor*innen (die oft in Personalunion auch die Regie übernehmen) überprüfen Stoffideen durch Recherchen, Skizzen, Exposés, und durch erste Kontaktaufnahmen mit Protagonisten, wofür zum Teil auch Reisen notwendig sind. Die Ergebnisse werden zum Exposé/Treatment ausgebaut. Das machen Autor*innen teils selbst, teils zusammen mit Produktionsfirmen.
• Das Treatment wird schließlich in der Projektentwicklung in Partnerschaft mit Produzent*innen zur Produktionsreife geführt, das bedeutet vor allem die Suche nach Finanzierungspartnern, beim Kinodokumentarfilm oft in Form von internationalen Koproduktionen und evtl. Weiterentwicklung des Treatments, bzw. Adaption an die entstehenden Finanzierungsvoraussetzungen.

Stoffentwicklungsförderung funktioniert dann am effizientesten, wenn die aufeinander aufbauenden Stufen separat gefördert werden:

• Ergibt die 1. Phase der Stoffentwicklung kein befriedigendes oder weiterführendes Ergebnis, dann macht die 2. Phase, die Weiterführung als Projekt keinen Sinn. Analog zur Drehbuchentwicklung im Spielfilm: Erweist sich eine erste Drehbuchfassung oder eine Outline als nicht vielversprechend, wird auf eine Weiterentwicklung verzichtet (nur ein Bruchteil der Spielfilm-Drehbücher gelangt in die Produktion).
• Ist ein Stoff bereits ausreichend entwickelt – meist mittels Vorfinanzierung durch den/die Autor*in selbst oder durch Stoffentwicklungsförderung, in seltenen Fällen durch eine Produktionsfirma – dann benötigt dieses Projekt keine Stoffentwicklung mehr, sondern nur die eigentliche Projektentwicklung für die 2. Phase vor Produktionsbeginn.

Projektentwicklung sollte daher als zusätzliches und ergänzendes Instrument gedacht werden, weil sie auf Stoffentwicklung im Dokumentarfilm und Drehbuchentwicklung im Spielfilm aufbaut. Wenn die Stoffentwicklungsförderung wegfällt, bedeutet das, dass im Dokumentarfilm Autor*innen und Regisseur*innen auf eigenen Kosten Stoffe entwickeln müssen. Denn in den wenigsten Fällen sind Produktionsfirmen in der Lage, in Stoffentwicklung zu investieren. Gerade im kreativen Kino-Dokumentarfilm fehlt es nach wie vor an Maßgaben für professionelle Honorierung für Buch und Regie, Eigenmittel sind also eher nicht vorhanden.

Im Ergebnis würden bei einem Wegfall der Stoffentwicklungsförderung im Dokumentarfilm nicht nur weniger Stoffe entwickelt werden, sondern auch die Qualität der Stoffe sinken, die für die Projektentwicklung angemeldet werden.

Wir plädieren daher unbedingt dafür, die Stoffentwicklungsförderung in der bisherigen Form beizubehalten. Regisseur*innen / Autor*innen muss es möglich sein, ein Projekt ohne Anbindung an eine Produktionsfirma und ohne Einsatz von Eigenmitteln einzureichen, um dokumentarische Stoffe zur Projektreife zu entwickeln. Nur so kann auch unter den Produktionsfirmen ein gewisser Wettbewerb um die besten Stoffe und Autor*innen aufrechterhalten werden.

Wenn wie bereits in den Eckpunkten vorgeschlagen die Finanzierung der Projektentwicklungsförderung durch Umschichtungen von Mitteln aus der Produktionsförderung für Dokumentar- und Spielfilme erfolgt, kann die Stoffentwicklung für Dokumentarfilme in der bisherigen Form aufrechterhalten werden und eine zusätzliche Projektentwicklung eingeführt werden, ohne dass es zu Mehrausgaben kommt. Eine komplette Streichung der Stoffentwicklung für Dokumentarfilme ist ein fatales Signal in die Branche und schadet der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Dokumentarfilms im Kino und auf internationalen Festivals enorm.

 

 

 

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